Vor einigen Jahren hatte ich bereits eine Website, mit der ich – und mit mir selbst - aber nie zufrieden war und dem Besucher wurde deshalb immer nur mitgeteilt, dass die Seite gerade überarbeitet wird. Dieser Hinweis drückt etwas von meinem künstlerischen Schaffen aus.

Die inhaltlichen Gründe meiner Bildarbeit liegen in meiner Kindheit auf dem Land. Ich musste feststellen, dass Menschen oft mit den gleichen Wörtern ganz andere Vorstellungen verbinden als ich. Worin gründet die Beziehung von Sprache und Welt? An einem Sommertag spielte ich auf einer Wiese mit einem fast quadratischen Scherben eines flachen Dachziegels, an dem ich die Ecken mit Symbolen markierte. Wäre nicht alles Wissen aus einer solchen Grundform aufbaubar, fragte ich mich? Dieses Bild war prägend und legte den Keim für mein künstlerisches Schaffen und philosophisches Interesse.

Nach einer Lehre und Tätigkeit im Maschinenbau bewarb ich mich 1980 auf einen Studienplatz an der Akademie der Bildenden Künste in München und besuchte Seminare und Vorlesungen im Fachbereich Philosophie und Wissenschaftstheorie an der LMU. Mir wurde dann früh bewusst, dass eine Lösung meiner Bildvorstellung – falls es diese überhaupt gibt - einen großen Zeitraum meines Lebens in Anspruch nehmen wird. Es gab auch dafür keine Vorbilder in der Kunst und philosophische Studien, auf die ich zurückgreifen konnte. Die Grundlagen dafür mussten da liegen, wo nicht mein Talent lag: in der Philosophie der Erkenntnis, Logik und Metamathematik.

Ein Trost, dass ich nicht so schnell zu einer befriedigenden Antwort kommen werde, war damals für mich der Philosoph Immanuel Kant, der sein Hauptwerk die ‚Kritik der reinen Vernunft‘ in seinem sechzigsten Lebensjahr abgeschlossen hatte. Ich kann nicht sagen, ob es wirklich ein Zufall ist, aber auch ich konnte den grundlegenden Rahmen eines Bildprogramms, wie ich es mir wünschte, im sechzigsten Lebensjahr fertigstellen.

Ich arbeitete seither noch einige weitere philosophische Gedanken in das Bildsystem ein. Jetzt haben die Bilder die ästhetische Einfachheit und atmosphärische Ausstrahlung, die ich suchte und die mir selbst bei der Betrachtung eine innere Ruhe geben. Hinter den Rahmenfiguren steckt eine Komplexität, mit der ich eine Antwort auf die Fragen suchte, die mich bewegt haben.

Wenn Sie nun die Bilder hier betrachten, nehmen Sie diese wie Markierungen eines Menschen, der aus der Dunkelheit nach einem Ausweg tastet und sich dabei der Formen bedient. Es sind Meditationen.

Was ist Geist und Bewusstsein? Was trennt und verbindet Geist und Materie? Warum kommt uns die Welt und wir uns selbst zu Bewusstsein?  Ich war so stark auf dieses Thema fokussiert, dass der Zeitgeist und ich, wir uns nicht erreichten. Der Weg meiner Arbeit war mir Auftrag und Lohn. Das einfachste Medium: die Bewegung meiner Hand mit Farbe. Mein Weg klärte, dass wir auf diese Fragen mit unseren begrifflichen Mitteln Grenzen haben und keine wirkliche Antwort finden können. Er brachte mich der Ästhetik und des philosophischen Denkens des Zen-Buddhismus näher und seiner Haltung zur Demut.

Etwas von diesem Geheimnis - der Trennung und Verbindung von Geist und Welt und der Haltung zur Demut - spürt man in den Atmosphären sparsamen Lichtes und feinen Schatten romanischer Kirchen. Ergreift Sie noch diese Kraft der Einfachheit und spirituellen Stille in den fürstlichen Räumen lichtdurchfluteter Barockkirchen? Wo kann das Auge ruhen?

Deshalb zum Schluss ein eigenes Haiku und ein unschätzbarer Dank:

Kein Geheimnis mehr
das ich hier nicht finden kann
alle sind nur eins.

Einen großen Dank an alle, die mir mit ihrer Kritikfähigkeit in meiner Arbeit eine wirkliche Stütze waren und sind.

Einen besonderen Dank an den Freund, der das Fenster zum offenen Raum in die Welt angeregt und mir möglich gemacht hat.

Bad Grönenbach, im Januar 2024.